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Der andere Kuss
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Buchbesprechung


„Der andere Kuss“ – Ein neues Buch von Karl Lask

Nur wenn sich Personen ändern, ändern sich Situationen

Es ist inzwischen allseits anerkannt: Die eigentlich Betroffenen von der Alkoholabhängigkeit eines Mannes sind die Ehefrauen und Kinder. Aber während für alkoholkranke Männer in Deutschland vielfältige, auch von den Krankenkassen getragene Therapiemöglichkeiten angeboten werden, werden die Familien mit ihren Problemen oft alleine gelassen. Sie müssen ihre Probleme selbst erkennen und dann auch lösen. Aber wie?

Antwort auf diese Fragen versucht ein neues Buch des Therapeuten Karl Lask, eines anerkannten Fachmannes auf dem Gebiet der Suchtherapie und langjährigen Leiters einer therapeutischen Gemeinschaft für alkoholabhängige Männer am Nordrand des Odenwalds. "Der andere Kuss" gibt Handreichungen auf dem Weg zur Organisation und inhaltlichen Arbeit von Selbsthilfegruppen betroffener Frauen. Es zeigt einen anderen Weg aus einem sich perpetuierenden Kreislauf, in dem Abhängige und ihre Frauen oft gefangen sind. Dabei erhebt es keinen Anspruch auf eine fachlich abgesicherte Darlegung von Beziehungsproblematik. Es hilft vielmehr Laien, vor allem auch den Betroffenen, die Zusammenhänge von Beziehungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit zu verstehen.

Lask lässt die betroffenen Frauen aus einer von ihm betreuten Selbsthilfegruppe ausführlich zu Wort kommen. Er rückt dabei von der bisher in der Suchttherapie gebräuchlichen Vorstellung einer Co-Abhängigkeit ab. Vielmehr nennt er eine Beziehungsabhängigkeit als eine der Ursachen für die Verstrickungen von Frauen in die Lebensgeschichten alkoholabhängiger Männer. Prägungen in der Jugend, das Gefühl, die eigene Identität und den eigenen Wert nur über die meist aufopfernde Fürsorge für jemanden zu finden, der als hilfebedürftig erkannt wird, und die Unfähigkeit, sich dieses Verhalten bewusst zu machen und sich dann daraus zu lösen stehen im Mittelpunkt. Lask weist einen anderen möglichen Weg aus diesem Dilemma. Dabei wird durchaus auch deutlich, dass die Identifikation der Frauen alleine über das Gebrauchtwerden auch den Männern den Schritt in die Gesundung manchmal verstellt. Erst wenn die Frauen ihre Probleme gelöst haben, beginnen die Männer, an ihrem Alkoholproblem zu arbeiten und es dann möglicherweise auch zu lösen.

Neben den ausführlichen, selbst erzählten Fallbeispielen greift Lask auf seine reichhaltige Erfahrung als Therapeut zurück, erklärt die Begriffe in leicht narrativer, von wissenschaftlichem Ballast weitgehend freier Wortwahl und auch anhand von Grafiken und Zeichnungen. Er macht aus seiner christlichen Basis kein Hehl, ohne allerdings in eine bei manchen Selbsthilfeorganisationen hier und da zu bemerkende Frömmelei oder gar den Versuch zu verfallen, eine Hinwendung zum Glauben als Allheilmittel gegen den "Teufel Alkohol" zu propagieren. Als roter Faden zieht sich neben der Freiwilligkeit aller Bemühungen vielmehr die Überzeugung durch das Buch: Nur wenn sich Personen verändern, verändern sich auch Situationen.

Da es auf dem Gebiet der Frauen-Selbsthilfegruppen kaum Vorbilder gibt, werden in dem Buch auch organisatorische Fragen erörtert und Wege aufgezeigt, wie interessierte Frauen sich suchen und finden und dann zusammenschließen können. Es bietet deshalb auch einen ganz praktischen Nutzen. Bedauerlich ist nur, dass es das mit knapp 150 Seiten auch sehr übersichtliche Werk nicht im Verlagsbuchhandel zu kaufen gibt. Es fand sich kein Verleger, so Lask, der das geschäftliche Risiko tragen wollte. Das Buch "Der andere Kuss" ist deshalb nur im Direktversand bei der Blaukreuz-Versandbuchhandlung, Postfach 20 02 52, 42202 Wuppertal zu beziehen "http://www.blaukreuz.de oder über den Förderkreis „Frauen helfen Frauen“ unter der E-Mail-Adresse W-Strohalm@gmx.de.


Buchbesprechung von Dr .med. Almut Hasper

Neues Buch von Karl Lask „Der andere Kuss“ – Eine Handreichung für Frauen zur Klärung der Beziehungskrise bei Alkoholabhängigkeit/Gefährdung des Partners

Der Titel des Buches „Der andere Kuss“ macht neugierig. Dazu muss man wissen, dass von Karl Lask, dem ehemaligen Leiter der Fachklinik für alkoholabhängige Männer Haus Burgwald bei Darmstadt, 1988 ein Buch mit dem Titel „Der Kuss der Selene“ erschienen ist. In Analogie zur griechischen Sage vom schlafenden Jüngling Endymion, dem die Mondgöttin Selene einen Kuss auf die Stirn drückt und ihn damit in Glückseligkeit versetzt, aus der er nicht mehr erwachen und sich der Realität stellen will, wird der alkoholabhängige, häufig in seiner Kindheit verwöhnte, Mann gesehen. Seine Partnerin setzt die Verwöhnung fort und die Erfahrung, dass der Alkohol Gefühle des Verwöhntwerdens auslöst, machen ihn zum Abhängigen von der Partnerin und vom Alkohol. Aber auch die Frau krankt an ihrer häufig schon vorgeprägten Beziehungsabhängigkeit. Durch aufopfernde Nächstenliebe und Tüchtigkeit meint sie, den Partner retten zu können und vergisst dabei sich selbst.

„Der andere Kuss“ ist eine Handreichung für Frauen alkoholabhängiger Männer und besonders für Selbsthilfegruppen (SHG) gedacht. Die Frauen sollen erkennen und lernen, dass zur Nächstenliebe auch die Selbstliebe gehört. Dadurch wird ihr Selbstwertgefühl gestärkt und es kommt zur Veränderung und schließlich zur Überwindung der Beziehungsabhängigkeit vom Partner. Sie sind nun fähig, den „anderen Kuss“ zu geben und so den Partner aus seinem „Traum“ zu erwecken. Idealerweise besucht auch der noch alkoholabhängige Partner eine Selbsthilfegruppe für Männer, die sich vor allem der Reifung der partnerschaftlichen Beziehung zuwendet. Wenn es beiden Partnern gelingt, im Mit- und Füreinander Verantwortung zu tragen, ist das ein großer Gewinn für die Kinder und deren Sozialisation.

Karl Lask versteht es, in der Handreichung diese Zusammenhänge klar und verständlich darzustellen. Eindrücklich sind seine einfachen, den Inhalt verdeutlichenden Graphiken. Besonders lebendig wird seine Handreichung – ein praktisches Ringbuch – durch Berichte von Frauen über ihre Schwierigkeiten und deren Überwindung. Es ist ein mutmachendes Buch, nicht nur für Frauen in der Beziehungskrise zum alkoholabhängigen Partner. Ihm ist eine weite Verbreitung zu wünschen.